Am Mond vorbei
Lob und Kritik in Balance - das neue Buch von Douglas B. Allen und Dwight W. Allen.
Von Florian Michl
Eine ungelenkte Rakete fliegt am Mond vorbei. Einleuchtend. Trotzdem schicken viele Führungskräfte ihre Mitarbeiter so auf den Weg: ohne Kurskorrekturen, ohne Feedback. Ein Wissenschaftler und ein Publizist wollen diesem Blindflug ein Ende machen. Und sagen, worauf es ankommt: Sprich Lob und Kritik in einem aus. Aber sei ehrlich! / 25.01.07
Allen CoverWann leistet jemand gute Arbeit? Wenn der Chef nichts von sich hören lässt? Wenn für ihn gilt: No news are good news?
Wer so denkt, hat ein Problem: Er driftet in einer zunehmend komplexeren und sich schnell verändernden Arbeitswelt vom Kurs ab. Denn ungeplante Ereignisse, zwischenmenschliche Beziehungen ebenso wie neue Aufgaben, sorgen dafür, dass er sein Ziel nicht auf vorgesehenem Weg erreichen wird. Im Gegenteil: Ohne Kurskorrektur schießt er daran vorbei, wie eine ungelenkte Rakete am Mond. Schreiben Dwight Allen und Douglas Allen, Wissenschaftler und Publizist, Vater und Sohn, in ihrem neuen Buch. Darin sind sie der Frage nachgegangen, wie sich Kurskorrekturen am erfolgversprechendsten durchführen lassen. Im Gespräch, vor allem zwischen Führungskraft und Angestelltem. Das Feedback und seine Form stehen im Zentrum ihres Buches.
Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist die Tatsache, dass Schnelligkeit heute eine Bedingung für geschäftlichen Erfolg ist. "Unternehmen können dem rasanten Tempo heutiger Entwicklungen gar nicht mehr folgen, wenn sie ihre Geschäftsvorgänge nach einem jährlichen oder auch nur nach einem vierteljährlichen Raster abwickeln", begründet das Autorenduo seinen Einstieg. Die Folge für die Personalführung: Statt einer jährlichen Leistungsbeurteilung fordern sie ein ständiges und regelmäßiges Feedback, um so nicht nur dem schnelleren Lauf der Dinge gerecht zu werden. Sondern auch weil Untersuchungen gezeigt haben, dass die Chance zur Korrektur einer Handlungsweise möglichst zeitnah am Geschehen am größten ist.

Radfahren lernen.


"Es geht darum, den Verstand anzusprechen und die Aufmerksamkeit zu gewinnen, aber auch darum, Feedback über das zu liefern, was gut gemacht worden ist, und über das, was weiter verbessert werden könnte, und schließlich darum, für den Prozess der permanenten Verbesserung Mut zu machen." Das sind die Variablen, die beschreiben, was gutes Feedback von schlechtem unterscheidet. Die Autoren illustrieren dies - amerikanisch-pragmatisch - anhand einer fiktiven Geschichte rund um die Führungskraft Pauline, die von einer Kommunikationskrise in die nächste schlittert - bis sie die Trainerin Audrey um Hilfe bittet.
Die erklärt ihr, was eigentlich selbstverständlich ist, eben nur für Führungskräfte wie Pauline nicht: Wie ein Kleinkind Fahrradfahren lernt - nicht ohne ein paar Mal hinzufallen und sich dabei Ellbogen und Knie abzuschürfen. Ebenso wie die Tipps der Eltern und deren Ermutigung zu weiteren Versuchen ebnet das den Weg zu einer steilen und positiven Lernkurve. Oder anders gesagt: "Es ist grundsätzlich unmöglich, mittels des Studiums eines Handbuchs - sogar eines sehr guten Handbuchs, das den �Trial-and-Error-Prozess' genau beschreibt - das Radfahren zu lernen." Am Arbeitsplatz ist es nicht anders.

Balancieren mit 2 + 2.


Für Führungskräfte bedeutet dies, einen ausgewogenen Blick dafür zu entwickeln, wie Mitarbeiter ihre Aufgaben bewältigen, was sie gut und richtig machen und wo sie besser werden müssen. Erfolgreiches Feedback beinhaltet beides: Lob und Bestätigung ebenso wie Kritik und Verbesserungsvorschlag. Die Formel 2 + 2 veranschaulicht dies. "Dabei geht es natürlich nicht um die exakte Zahl von zweimal Lob und zweimal Kritik, wichtig ist vielmehr die Ausgewogenheit", erklären die Autoren. Zudem sollte Lob nicht einfach dazu dienen, ein kritisches Gespräch über nötige Leistungsverbesserungen einzuleiten. Vielmehr verfolgt das 2+2-Feedback-System zwei gleichrangige Ziele: "Erstens gute Arbeit anzuerkennen, damit sie verstärkt und fortgesetzt wird, und zweitens Verbesserungsvorschläge für jene Bereiche fordern und fördern, wo sie am dringendsten sind."
Wie Pauline profitiert auch der Leser von der reichen Bildersprache der Autoren - anschaulicher kann man ein Alltagsproblem der Arbeitswelt nicht beschreiben. Genauso rasch erschließt sich die Antwort der beiden Autoren. Dazu tragen sicherlich die Dialoge der Protagonisten bei: Einfach und klar beschreiben sie das Problem, die Lösung und den Erfolg. Bleibt zu hoffen, dass damit weniger ungelenkte Raketen am Ziel vorbeischießen.

Florian Michl ist freier Mitarbeiter bei changeX.

Douglas B. Allen / Dwight W. Allen:
Lob und Kritik in Balance.
Erfolgreich mit dem 2+2 Feedback.

Gabal Verlag, Offenbach 2007,
126 Seiten, 19.90 Euro.
ISBN 978-3-89749-763-4
www.gabal-verlag.de

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Zum Buch

: Lob und Kritik in Balance. . Erfolgreich mit dem 2+2 Feedback. . Gabal Verlag, Offenbach 1900, 126 Seiten, ISBN 978-3-89749-763-4

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Florian Michl
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Florian Michl schreibt als freier Autor für changeX.

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