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Ohne Assoziationen keine Aufmerksamkeit

Lernen mit Köpfchen. Tipps vom Lerncoach Rolf Meier.
Text: Susanne Behnk

Wissen ist Merkfähigkeit mal Aufmerksamkeit mal Zeit. All das lässt sich trainieren, sagt ein Lerncoach. Denn unser Gehirn ist ein Hochleistungsorgan, das sich zu Höchstleistungen trainieren lässt. Wie, das wusste man indes schon vor der Hirnforschung: mit Fleiß und Durchhaltevermögen.

Meier Cover

„Das kann ich mir nicht merken, ich habe einfach ein schlechtes Gedächtnis!“, hört man so manch einen sagen. Vielleicht ist es sogar die eigene Stimme. Doch das ist nur ein bequemes Vorurteil, eine Ausrede für geistige Trägheit! Meint Lerncoach Rolf Meier. Ein jeder könne seine Merkleistung steigern, vorausgesetzt, er ist wirklich daran interessiert – denn unser Gehirn ist ein Hochleistungsorgan: Dessen Dienste können wir für weit mehr als nur für Alltägliches nutzen, wenn wir es zu Höchstleistungen hin trainieren. Meier erinnert uns daran, dass das Leben immer wieder neue Lernsituationen für uns bereithält, die wir als Chancen nutzen können. Wie wir lernen, „mit Köpfchen“ zu lernen, um unserem Erfolg auf die Sprünge zu helfen, das will uns der Lernprofi zeigen.
„Jeder Mensch ist anders und lernt auch anders.“ Sagt Rolf Meier, der für diverse Bildungseinrichtungen tätig war und ist und nun an der Optimierung von Lernmethoden arbeitet. Sein Lern-Buch Lernen mit Köpfchen bietet zahlreiche Einschätzungshilfen, um das eigene Lernverhalten auf seine Effizienz hin zu prüfen und zu optimieren. Meier geht es darum, die richtige, weil individuell abgestimmte Herangehensweise zu finden, die zu uns passt. Gefolgt von einer Festlegung unserer Ziele gelte es zunächst, die eigene Lernmotivation zu überprüfen und mögliche Lernhemmnisse zu ermitteln. Denn Motivation sei keineswegs ein einheitliches Phänomen, sondern vielmehr ein „Konglomerat aus Motiven, die auf Bedürfnissen beruhen“: Ob Neugier, Wettbewerbslust, das Streben nach Unabhängigkeit, Status oder Anerkennung – solche Beweggründe können wir als Lernmotor nutzen, weiß der Coach. Besagter Motor funktioniert aber etwas anders als der eines Autos: Er braucht eine Eingewöhnungsphase. An regelmäßiges Lernen müssen wir uns nämlich erst gewöhnen. Vorab gilt es, Hinderungsgründen auf den Grund zu gehen, „Bedenkenträger“ auszuschalten und sich selbst davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, die eigene Komfortzone zu verlassen. Dabei kann, so der Autor, unsere eigene innere Einstellung gute Erfolgsaussichten schaffen, denn nur sie kann den inneren Katastrophenfilm ausschalten und damit der Erfolgsstory Platz machen. Meier arbeitet in diesem Zusammenhang mit dem Bild eines Kippschalters, den wir selbst umlegen.


Kleine Schritte zum Lernerfolg.


Das Buch des Lerncoachs kommt insgesamt überraschend klassisch daher, fordert es doch vor allem die traditionellen Werte „Selbstdisziplin“ und „Durchhaltevermögen“ ein. Daneben ist die Organisation von Zeit und Energie ein großes Stichwort bei Meier. Erfolgreiches Lernen bedürfe eines realistischen Lernplans als organisatorischer Rahmen. Dieser umfasst nicht nur einen festen Lernplatz, sondern soll vor allem auch dafür sorgen, dass uns niemand bei der Absolvierung unseres Pensums stört – besonders wir selbst nicht. Neben einem realistischen Zeitmanagement gehe es darum, sich selbst eine systematische Arbeitsweise anzueignen, um mit jedem Stoff umgehen zu können und Aufwand und Nutzen in der Waage zu halten. Dazu müssen eigene Standards gesetzt werden: und zwar nicht nur in Bezug auf das Lernziel, sondern auch bezüglich Anforderungen, Ergebnis und Lernaufwand. Das macht der Lernexperte klar.
Erfolg lässt sich planen, davon ist Meier überzeugt. Für entscheidende Voraussetzungen hält er ein ernsthaftes Interesse am Lernprojekt, kombiniert mit einem kontinuierlichen Streben. Zur Erstellung eines effektiven Lernplans bedarf es jedoch nicht nur einer taktischen Auswahl des Lernstoffes, sondern auch einer Festlegung von Teilzielen, Lernzeiten und Pausen. Um den Lerneinstieg zu erleichtern, plädiert der Lernexperte vor allem für kontinuierliche „kleine Schritte“. Haben wir uns erst einmal an das Gehen an sich gewöhnt, werden die alltäglichen Schritte wie selbstverständlich größer werden. Pausen hält Meier jedoch in jedem Fall für „sinnvolle Investitionen“: Denn besonders wenn es schleppend vorangeht, sollten wir uns für kleine Erfolge belohnen, um uns wieder fit zu machen, Durststrecken zu überwinden und Anreize zur Fortsetzung des eingeschlagenen Weges zu schaffen.


Merkfähigkeit mal Aufmerksamkeit mal Zeit.


Die entscheidenden Schlagwörter dürften dabei einem jedem von uns längst bekannt sein: Üben und Wiederholen. Das klingt so simpel – wenn die Durchführung doch auch so einfach wäre … Meier behauptet nicht, dass sie es ist. Er spricht von Machbarkeit. Mithilfe seiner Einstufungstests kann der Leser den eigenen Lerntyp und -stil analysieren: Ob Morgen- oder Abendtyp, visueller, auditiver oder haptischer Lernstil, einem jeden offeriert das Buch verschiedenste Lernmethoden – und ermutigt uns dazu, diese auszuprobieren.
Meiers Lernformel lautet: „Wissen ist Merkfähigkeit mal Aufmerksamkeit mal Zeit.“ Dabei ermahnt er dazu, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die altbekannte Pareto-Regel, von der sich ableiten lässt, dass prinzipiell 20 Prozent unserer Arbeitszeit genügen, um 80 Prozent der Arbeitsergebnisse zu erreichen. Zum Wohle der Effizienz sollte man aber keineswegs nur der „Aufschieberitis“ den Kampf ansagen. Auch die ausgeprägten Perfektionisten unter uns dürfen sich selbst an den Perfektionistennasen packen: Denn zumindest Meier zufolge sind auch sie wahre Effektivitätsbremser.
Die meierschen Ratschläge kreisen vor allem darum, wie wir den Lernstoff in unserem Langzeitgedächtnis verankern. Der Lerncoach zeigt, dass bewusst wahrgenommene „emotional besetzte Eindrücke“ am besten in Erinnerung bleiben: „Keine Assoziationen bedeuten keine Aufmerksamkeit“ – deshalb gelte es, erlebnisferne Inhalte mit anschaulichen, personennahen Bildern zu verknüpfen. Die zentralen Schlagworte bleiben Interesse und Motivation. Die Zauberformel indessen lautet, aus Wissen „aktives Wissen“ zu machen – und zwar durch „wiederholte Auseinandersetzung mit dem Stoff“. Klar können zudem ein paar gute Kniffe und Tipps hilfreich sein: von Eselsbrücken über gedankliche Anker und Gedankenkarten bis hin zu bewährten „Loci-Techniken“ und „SQ3R-Methoden“. Meier ist davon überzeugt, dass sich jeder „auf Erfolg programmieren“ kann.
Somit heißt es wohl: Ran an den Kern der Sache. Es liegt an uns selbst, die Grundvoraussetzungen dafür zu schaffen und uns zum Durchhalten zu motivieren. Es scheint so, als lohne es sich, mit zielgerichteten, systematischen Lernprojekten cleveres Zukunfts- und Erfolgsinvestment zu betreiben. Auf dem persönlichen Marschweg kann man sich dann zum Beispiel mit einem solchen Satz an das Wesentliche erinnern: „Die Kunst des Erinnerns ist die Kunst der aufmerksamen Beobachtung.“

© changeX Partnerforum [15.09.2009] Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.


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Zum Buch

: Lernen mit Köpfchen. Clevere Strategien für garantierten Lernerfolg. Gabal Verlag, Offenbach 2009, 204 Seiten, ISBN 9783897499263

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Susanne Behnk

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